Sunday, 20 November 2016 05:40

Mein Burnout

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Mein Burnout Mein Burnout
Ja, 2008 hatte ich ein Burnout. Ich war fast ein Jahr weg vom Fenster. Und nein, ich gebe hier keine Tipps und Ratschläge für Betroffene. Kein Burnout ist gleich wie das andere. Ich gebe auch keine Tipps, wie Betroffenen geholfen werden kann. Das ist Aufgabe professioneller Psychiater. Ich erzähle, wie es kam, was ich tat und was ich denke, eine wichtige Erkenntnis ist, um Burnouts vorzubeugen. Ich werde aber auch keine Namen nennen, dann würde ich Leute an den Pranger stellen, die keine Chance hätten, sich zu verteidigen.


Also los...



Zunächst mal: Ich, ich selbt spürte nichts. Oder verdrängte es. Erst im Nachhinein erzählte mir mein Umfeld von „komischen“ Veränderungen, die sie vorgängig feststellten. Ich selbst spürte erst auf einer Asienreise, dass etwas nicht stimmte. Während einer Geschäftsreise hatte ich ein paar freie Tage und verzog mich an einen einsamen Strand auf den Philippinen, ohne Strom, ohne Hotel, einzig eine manuelle Wasserpumpe und ein paar offene Cottages. Kein Internet, kein Mail, nichts. Ich fühlte mich pudelwohl.

Meine nächste Station danach war China. Als erstes Mail öffnen und lesen. Sodbrennen, Schlaflosigkeit, schweissgebadet erwachen, Unlust. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich das schon seit Monaten hatte. Gehässigkeit, Sarkasmus, Termine abgesagt, das waren die komischen Dinge, die mein Umfeld feststellte, mir aber erst später erzählte.

Zurück in der Schweiz ging ich zum Arzt und liess mich von der Scheitel bis zur Sohle untersuchen. Körperliche Gebrechen konnten all die Spezialisten keine feststellen. Als letztes schickte mich mein Hausarzt zum Psychiater, der eine Depression feststellte.

Aufrappeln



Von nun an dauerte es fast ein Jahr, bis ich wieder arbeitete. Zuerst kam eine Stablilisierungsphase mit Antidepressiva, die mich wieder schlafen liessen. Danach kam eine Aufbauphase mit Antidepressiva am Morgen, die mich motivieren sollten. Ich hatte die Wahl, in eine Klinik zu gehen, was ich ablehnte. Ich hatte keine Lust, mich mit anderen Kranken zu umgeben. Ich blieb zu Hause.

Was für mich wichtig war, wieder in einen geregelten Tagesablauf zu kommen. Ich stelte mir einen Stundenplan auf. Ich begann wieder Schach zu spielen. Und viele andere Tätigkeiten, die ich immer wie mehr vernachlässigte und schlussendlich gar nicht mehr betrieb.

Nach fast einem Jahr wollte ich zurück an meine Arbeit. Mir wurde aber gekündigt. Ich hatte aber mit dem gerechnet, es warf mich nicht um. Ich fand sofort eine Arbeitsstelle. Es dauerte seine Zeit, bis ich merkte, dass ich an dieser neuen Stelle bald wieder in ein Burnout fallen würde. Ich zog die Konsequenzen, kündigte und wurde selbständig.

Erkenntnisse



Es sind deren zwei:

Beobachte Dein Umfeld

Betroffene fühlen oft nicht, dass sie in ein Burnout rennen. Ich jedenfalls tat es nicht. Hingegen mein Umfeld stellte Veränderungen fest. Seither achte ich bei Bekannten und Freunden auf solche Anzeichen und mache sie darauf aufmerksam. Es wäre schön, wenn alle mehr Gespür für ihr Umfeld zeigen und reagieren würden, wenn sie bei jemandem Anzeichen einer Veränderung feststellen.

Verantwortung und Kompetenzen müssen kongruent sein

Zusammengefasst war mein Problem, dass meine Verantwortung im Job und die Kompetenzen nicht mehr kongruent waren. Früher war mein Job fast wie ein Unternehmer im Unternehmen. Vieles konnte ich selbst entscheiden. Kompetenzen wurden jedoch immer wie mehr beschnitten, quer in allen Firmen dieser Branche. Am Schluss musste ich wegen 20 Franken lange Telefonate mit Kalifornien führen. Liebe Firmenchefs: Verantwortung und Kompetenzen müssen im Einklang stehen. Einzelnen Mitarbeitern eine grosse Verantwortung aufbürden, ohne entsprechende Kompetenzen, führt in die Sackgasse. Vertraut den Mitarbeitern. Sie werden dankbar sein und es mit grossem Enthusiasmus zurückgeben.

Hattest Du selbst ein Burnout oder warst nahe dran? Hätte es Dir geholfen, wenn Dich Dein Umfeld darauf angesprochen hätte? Wieweit war die angesprochene fehlende Kongruenz zwischen Verantwortung und Kompetenz bei Dir ein Grund?



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